The (Armory) Show must go on

Nein, die Armory Show in New York hat nichts mit der Rüstungsindustrie zu tun. Es handelt sich um eine jährliche Kunstmesse, die seit 1994 jeden März die Piers 92 und 94 ganz im äussersten Westen von Manhattan vier Tage lang füllt. Dort, wo von Midtown nichts mehr zu spüren ist, obwohl man sich auf der gleichen Höhe befindet, und wo die nächste Subway-Station 20 Minuten Fussmarsch entfernt ist. Welcome to Hell’s Kitchen!

Die Armory Show gilt als eine der wichtigsten Kunstmessen und teilt die Galerien nach zwei Kriterien auf: moderne Kunst (Halle 92, meistens nicht so voll) und zeitgenössische Kunst (Halle 94, überlaufen bis zum Geht-nicht-mehr). Bei der diesjährigen Ausgabe sind es knapp 200 Gallerien aus 31 Ländern, weniger als in den Jahren zuvor, und tatsächlich sind die Gänge zwischen den Nischen der einzelnen Galerien nicht so überlaufen wie erwartet.

Wir atmen auf. Jeder, der schon mal eine dieser riesen Messen besucht hat, kennt die strapaziösen Umstände, die es ziemlich hart machen, mehr als eine halbe Stunde konzentriert und mit Spass bei der Sache zu bleiben. Die trockene Luft, die vielen drängelnden Menschen, die sich immer genau vor das stellen, was man anschauen möchte, die Jacke im Arm, weil man zu faul ist, sie abzugeben, und vor allem: die wahnsinnige Reizüberflutung bei diesem Überangebot.

Warum sollte man sich so eine Veranstaltung überhaupt geben? Vor allem in einer Stadt wie New York, an der es so ziemlich jeden Tag aufregende Ausstellungen, Eröffnungen und Veranstaltungen gibt. Warum also 47$ (30$ reduziert für Studenten) zahlen, um Sachen anzuschauen, die man sich eh nicht leisten kann und die ohne ein kuratorisches Gesamtkonzept nebeneinanderstehen?

Ein Einblick in aktuelle Sammlertrends
Im Vorfeld war zu lesen, dass Veranstaltungen wie die Armory Show einen hervorragenden Querschnitt der globalen Kunstwelt bieten würden. Insofern wahr, dass das Prinzip viele grosse und interessante kleinere Galerien an einem Ort versammelt zu haben, statt hin und wieder an einer Vernissage vorbeizuschauen, massiv effizienter ist. Aber abgesehen vom Bequemlichkeitsfaktor ist das Augenwischerei, oder gut gemeintes Marketing, um es freundlicher ausdrücken.

Die Armory Show ist wie die Art Basel oder die Frieze eine Verkaufsmesse von A bis Z. Ausstellende Galerien messen ihren Erfolg daran, wie viel sie vor der offziellen Publikums-Eröffnung schon losgeworden sind und wählen entsprechend die Werke für die paar Quadratmeter aus. Pre-Openings, VIP-Events und private Dinners rund um die Messen auf der ganzen Welt sind der eigentliche Kern des ganzen Events. Und das ist auch völlig ok.

Was an den Publikumstagen danach folgt, zieht zwar trotzdem jeweils zigtausende Besucher an, hat aber nur noch wenig mit dem eigentlichen Verkauf zu tun. Einen Querschnitt der globalen Kunstwelt muss man dann auch gar nicht erwarten, dafür sind Museen die besseren Anlaufstellen. Aber für einen Einblick, was bei Sammlern gerade angesagt ist, quasi die Must-Haves der kommenden Saison, für den lohnt sich ein Rundgang allemal.

Weniger ist mehr
So sind auch wir heute durch die Armory Show geschlendert, wie man ein Magazin im Wartezimmer durchblättert. Interessiert, aber mit einer Distanz, weil das Ganze nicht allzu viel mit einem zu tun hat. Springt etwas ins Auge, schaut man es sich genauer an, plaudert ein bisschen mit den Galeristen, schiesst im besten Fall ein Foto, um sich das Werk zu merken. Und siehe da, auch durch diese Grundhaltung wurde das Gesamterlebnis sehr viel entspannter.

Die diesjährige Auflage der Armory Show zeigt ein leicht angepasstes Konzept, nachdem die Überfülle der letzten Jahre kritisiert wurde: weniger Aussteller, die wiederum ein entschleunigteres Kunsterlebnis bieten. An den Wochenend-Tagen, wenn der Besuchersturm am grössten ist, wird das Konzept wohl nicht so gut aufgehen, doch am Donnerstag ist die Idee durchaus geglückt.

Auch das Rahmenprogramm an den vier Tagen der Messe kann sich sehen lassen: unter dem Namen Armory Live sind Vorträge von Hans Ulrich Obrist, Artist Talks wie der mit Carolee Schneemann oder Panels zu hoch interessanten Themen (die Zukunft von Galerien, neue Kulturhauptstädte) zusammegefasst. Blöd nur, dass man auch dafür wieder ein Tagesticket braucht.

Meine Neugier an Sammlertrends ist fürs Erste gestillt. Einen globalen Querschnitt habe ich keinen bekommen und bin auch froh, dass vor Ort auch nirgends der Versuch unternommen wurde, die Armory Show als das zu verkaufen. Darum ging es nie, und sollte es auch niemals gehen; eine Messe muss nicht alles liefern, um Spass zu machen.


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Auch interessant (gleich nach unseren Highlights): Die 20 Lieblings-Booths von Artsy, dem Online-Kunsthandel, über den man Online an speziellen Armory Show Versteigerungen mitbieten kann.

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