Es ist Art Basel!

 

Aufgetürmte Schuhputzkästen aus Ghana, ein mit grün-weissen Strichen angemaltes Gerüst und eine riesige Kugel aus 40’000 goldig glänzenden Waffenpatronen: Das sind nur einige der Werke, die an der diesjährigen Unlimited ausgestellt werden. Die Art Basel ist die Kunstmesse überhaupt, ein internationales Happening, ein religiöser Einkehrort für alle Szenefreaks.

Ist das jetzt gute Kunst?

Doch für alle Normalsterblichen mit wenig Kapital auf dem Konto kann die Art Basel schnell überfordernd sein. Rund 80 Galerien stellen aus und zeigen natürlich nur das Allerbeste. Wenn man also an die Art Basel geht, kann man davon ausgehen, dass man dort die Crème de la Crème zeitgenössischer Kunst aufgetischt bekommt. Doch nach geschätzten 100 Werken wird sich jede*r klammheimlich die Frage stellen: “Ist das jetzt gute Kunst?”

Spotted an der Art Basel: Ist das jetzt gute Kunst?

 

Das ist natürlich die Mutter aller Fragen. Aber: Muss denn Kunst überhaupt gut sein? Muss Kunst irgendetwas sein, hat sie denn einen Zweck? Und wenn schon: Was heisst denn schon “gut”? Darüber könnte man sich ewig streiten. Fakt ist, dass es einen undurchschaubaren Kunstmarkt gibt, der milliardenschwer ist. Irgendwoher müssen diese Zahlen ja kommen, auf irgendeiner Basis müssen die sich ja berechnen um gewissen Werken eine immense Summe zuordnen zu können und anderen nicht. Und gerade an der Art Basel ist dieses Gefühl, dass im Grunde alles nur um (viel) Geld geht, allgegenwärtig.

Gibt es zumindest Indizien für schlechte Kunst?

Wer aber nach einer Gebrauchsanleitung für Gegenwartskunst Ausschau hält oder auf eine kunsthistorische Variante von Stiftung Warentest hofft, sucht vergebens. Nirgends findet man allgemeingültige und transparente Qualitätskriterien. Im Gegenteil: Die Hauptleistung der Avantgarden bestand ja gerade darin, die Kunst von allen Regeln zu befreien. Wenn Kriterien für gute Kunst so schwer zu greifen sind, könnte es leichter fallen, zumindest Indizien für schlechte Kunst zu finden?

Mit dieser Frage hat sich der Kunsthistoriker Christian Saehrendt auseinandergesetzt und eine Reihe von Indizien zusammengetragen: Dazu gehören unter anderem die Strategie des kalkulierten Skandals, der durch pornografische oder blasphemische Inhalte ausgelöst wird. Gepaart mit einer provokanten politischen Aussage, kann dies über die Schwächen des Werks hinwegtäuschen. Der Einsatz besonders ekelhafter Materialien (Leichen, Fäkalien) oder besonders kostbarer Materialien (Gold, Diamanten) sind ebenfalls ein Indiz für schlechte Kunst. Hinzu kommen Überwältigungseffekte durch monumentale Formate, die in hallenartigen Räumen präsentiert werden und Riesenskulpturen, die den einzigen Zweck erfüllen beispielsweise auf Instagram gut auszusehen.

 

 

Das gleichschenklige Dreieck  Authentizität – Originalität – Handwerk

Um ein Werk auf seine Qualität hin zu prüfen, bietet sich gemäss Saehrendt das Modell eines gleichschenkligen Dreiecks an, das idealerweise die künstlerische Arbeit prägt. Die erste Seite: Erlebnis, Erfahrung, Authentizität. Die zweite Seite: Vorstellungskraft, Schöpferkraft, Ideenreichtum. Die dritte Seite: handwerkliches Können, technisches Verständnis, Materialbeherrschung. Ist eine Seite zu schwach oder wiegt eine Seite schwerer als die beiden anderen, gerät das Dreieck aus dem Gleichgewicht, und das Werk wird angreifbar. Bei mangelnder Authentizität wirkt das Werk schnell unpersönlich und akademisch. Wird jedoch die Biografie des Künstlers zu stark betont, wenn eine schwere Kindheit, Schicksalsschläge und Traumata künstlerisch ausgeschlachtet werden, ist das Werk ebenfalls eher schwach. Bei mangelnder Originalität wird gerne mit einem intellektuell klingenden Zitat darüber hinweggetäuscht, was das Werk wie eine Parodie erscheinen lässt.

Mit dem Modell des gleichschenkligen Dreiecks ausgerüstet, empfehlen wir euch, dieses Wochenende einen Besuch an der Art Basel zu wagen. Es wird euch nämlich bestimmt viele spannende Erkenntnisse bescheren.  Viel Spass!

Mehr Infos zur Art Basel

Mehr Infos zur Art Basel Parcours Night am 16. Juni 2018

 

 

 

 

 

 

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